Warum ist das für Fachgruppen relevant?


In unterschiedlichen Fachgruppen in Deutschland sind bereits Fälle von sexuellen Übergriffen publik geworden[1]. Auch wenn an der Universität Stuttgart noch kein Fall durch die Presse gegangen ist, gibt es auch bei uns betroffene Personen und damit ist es ein Thema, mit dem auch wir uns beschäftigen müssen. Es ist von höchster Priorität, Übergriffe präventiv zu verhindern und Betroffenen zu helfen. 


Die Studierendenschaft der Universität Stuttgart wird durch die stuvus, insbesondere den Vorstand und die Fachgruppen vertreten. Die Fachgruppen sind dafür zuständig, die Studierenden gerade zu Beginn zu unterstützen, und durch Ersti-Veranstaltungen den Einstieg in den Uni-Alltag zu erleichtern.


Organisator*innen von Ersti-Veranstaltungen haben eine besondere Verantwortung, da durch sie der erste Eindruck bei den Erstis vom Unialltag entsteht. Im Falle eines unangemessenen Verhaltens, führt das hier zu einer starken negativen Beeinflussung des Studienverlaufs und auch zu Studienabbrüchen und damit zu dem genauen Gegenteil des Ziels von Ersti-Veranstaltungen. Häufig orientieren sich Studienanfänger*innen an den Rollenvorbildern und ihrem jeweiligen Verhalten, welches sie bei den Ersti-Veranstaltungen der Vertreter*innen sehen, sodass sie dieses imitieren und replizieren. Die Vertreter*innen, gerade jene mit Wahlamt, sind dazu angehalten, dies in ihrem Verhalten zu beachten und die Aufgaben der Studierendenschaft mit diesem Verhalten nicht zu verletzen. Sie befinden sich in einer besonderen Rolle, da sich Studierende vertrauensvoll an sie wenden, um eine fachliche, soziale, kulturelle, wirtschaftliche oder politische Beratung zu erhalten. Eine sexuelle Belästigung oder gar Übergriffe dürfen in diesem Zusammenhang nicht passieren. Sie verletzen nicht nur den Ruf der Studierendenschaft, sondern in erster Linie die Würde der belästigten Personen.

 

Was ist sexuelle Belästigung?


Sexuelle Belästigung ist stets einseitiges Verhalten, das sich grundlegend von Flirts oder Komplimenten unterscheidet. Maßgeblich ist, dass die Handlungen unerwünscht sind, sowie die Würde der betroffenen Person verletzt und von dieser als unangenehm und oder respektlos empfunden wird. Aus Unsicherheit und Angst, als prüde, empfindlich oder humorlos zu gelten, verleugnen oder beschönigen viele Betroffene sexuelle Belästigung. Es können verbale, non-verbale oder körperliche sexualisierte Handlungen sein - von verbalen Anzüglichkeiten in der alltäglichen Kommunikation bis hin zu strafrechtlich relevanten Tatbeständen! Wenngleich alle Personen gleicher­maßen betroffen sein können, sind Betroffene überwiegend Frauen. Formen der sexuellen Belästigung können z.B. sein:

  • Anzügliche oder zweideutige Bemerkungen über Aussehen und Kleidung,
  • Bemerkungen und Witze sexuellen Inhalts,
  • Verbreitung oder Zurschaustellung pornographischer Abbildungen oder Texte, sofern diese nicht wissenschaftlichen Zwecken dienen,
  • Unerwünschte Geschenke, permanente unerwünschte Kontaktaufnahme, Auflauern und/oder unerwünschte Einladungen mit eindeutiger Absicht,
  • Annäherungsversuche mit dem Versprechen von Vorteilen oder dem Androhen von Nachteilen,
  • Unerwünschte Körperkontakte oder die Aufforderung zu diesen,
  • Sexuell motiviertes Stalking,
  • Sexuelle Übergriffe, Nötigung oder Vergewaltigung.


Strafrechtlich relevant sind in Deutschland Stalking, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung.[2]

Unangemessene Bemerkungen und Witze sind aber auch ernstzunehmende Verletzungen der Würde anderer. In Fachgruppen soll ein Klima herrschen, bei dem jede*r respektvoll behandelt wird. 

Sprüche wie: "Die ist nur zur Deko da.", "geh in die Küche, da wo du hingehörst.", "kannst du dich nochmal so bücken?" sind beschämend und verletzend und daher völlig unangebracht.


Was können Fachgruppen präventiv dagegen tun?


Generell gilt: Bevor du etwas sagst, denke nach, ob der Kommentar angebracht ist, denn sexistische Sprüche müssen einfach nicht sein.

Außerdem solltest du, als Umstehende*r einschreiten, wenn du siehst wie jemand bedrängt oder diskriminiert wird.

Macht sexuelle Belästigung zum Thema und setzt Euch dagegen ein!

 → ihr könnt zum Beispiel eine verantwortliche Person in eurer Fachgruppe benennen, die ein offenes Ohr für Betroffene hat (vielleicht kann hier der awareness Leitfaden weiterhelfen)

→ legt Infomaterialen, wie diesen Leitfaden,  in eurer Fachgruppe aus


Bei Ersti-Veranstaltungen (insb. Ersti-Wochenende)

→ Weist bei der Bewerbung eurer Ersti-Veranstaltungen darauf hin, dass ihr keine sexuelle Belästigung duldet und benennt die Ansprechpersonen (der Universität und eurer Fachgruppe oder stuvus zentral)

→ bestimmt Ansprechpersonen, die bei den Veranstaltungen dabei sind, an die Betroffene sich wenden können

→ Alkohol enthemmt und ist keine Ausrede für sexuelle Belästigung! Auch unter Alkoholeinfluss ist jede*r für sein*ihr Handeln verantwortlich.

→ Sorgt dafür, dass an allen Spielen/Veranstaltungen auch mit einem alkoholfreien Getränk teilgenommen werden kann und das ohne Nachfragen und Drängen akzeptiert wird. 

Sorgt dafür, dass Spiele, bei denen sich auszuziehen das Ziel ist, nicht im Programm sind. Auch wenn niemand im engen Sinne gezwungen wird, entsteht Gruppenzwang. Durch ein solches enthemmendes und sexualisierendes Spiel werden sexuelle Übergriffe gefördert. 



Was könnt ihr tun, wenn sich Betroffene bei euch melden?


Wenn sich jemand bei euch meldet, hat es diese Person vermutlich viel Überwindung und Mut gekostet, etwas zu sagen. Als Ansprechperson helft ihr schon durch das Zuhören. Alleine die betroffene Person entscheidet, wo ihre Grenzen sind, in denen sie sich wohl fühlt. Deswegen ist es sehr wichtig, dass ihr die Vorkommnisse ernst nehmt und die Person bestärkt.

Bei kleineren Vorkommnissen könnt ihr die Person fragen, ob das Geschehene unter euch bleiben soll, oder ob es in der Fachgruppe oder mit dem*der Belästigenden zusammen angesprochen werden soll. Dabei könnt ihr als Mediator dabei helfen, dass die Grenzen der betroffenen Person in Zukunft nicht überschritten werden. Weist die Person auch auf die zuständigen Stellen der Universität hin.

Bei strafrechtlich relevanten Vorkommnissen solltet ihr die Person auf jeden Fall ermutigen, Kontakt mit den Stellen der Universität aufzunehmen, sich der Gefahrensituation zu entziehen und/oder die Polizei zu rufen.

  • Macht euch bewusst, dass ihr keine Expert*innen auf dem Gebiet seid. Unwissenheit und Überforderung sind normal. Ihr könnt euch also auch jederzeit Hilfe suchen. Achtet also auch auf euch selbst.
  • Die betroffene Person und Vertrauenspersonen, die in der Situation anwesend waren, sollen ihre Beobachtungen bezüglich der Situation dokumentieren.
  • Bleib in Kontakt mit der betroffenen Person und erkundige dich nach ihrem Wohlergehen.
  • Prüfe, ob eine akute Gefährdung besteht und unterstütze die Person, sich der Gefahrensituation zu entziehen.
  • Lote nach Möglichkeit aus, ob die betroffene Person ein unterstützendes Umfeld hat, das einbezogen werden kann.
  • Gib darauf acht, dass die Information über den Verdacht nicht an die potenziell Gewalt ausübende Person gelangt.


Vielen Dank an alle für euren Einsatz im Sinne eines fairen und freundlichen Umgangs mit den Erstis und miteinander. Gemeinsam können wir so einen weiteren Schritt in Richtung eines diskriminierungsfreien Universitätsklimas gehen.





Ansprechpersonen

Universität:

Christine dos Santos Costa

Ansprechpartnerin bei sexueller Belästigung

+49 711 685-66468

costa@gkm.uni-stuttgart.de


Klaus Dirnberger

Ansprechpartner bei sexueller Belästigung

+49 711 685-64437

klaus.dirnberger@ipoc.uni-stuttgart.de


stuvus:

Ansprechperson bei Fällen sexueller Belästigung: awareness@stuvus.uni-stuttgart.de

Referat für Gleichstellung, Diversity und Soziales: referentin-gleichstellung@stuvus.uni-stuttgart.de


Weiterführende Informationen:

https://www.stuvus.de/sdg

https://www.student.uni-stuttgart.de/uni-a-bis-z/Sexuelle-Belaestigung/

https://www.leuphana.de/services/gleichstellung/portal-sdg.html







[1] https://fsmath.uni-bonn.de/protokollarchiv.html?file=files/mate/documents/FSR-Protokolle/Archiv/19-10-30_Protokoll-FSR-Sitzung-Anhang-Mitteilung_Medizin.pdf

https://ga.de/bonn/stadt-bonn/uni-bonn-sexuelle-belaestigung-bei-ersti-fahrt-bleibt-unbewiesen-verfahren-eingestellt_aid-46427123

https://asta.hhu.de/fileadmin/AStA_HHU/Unterseiten/Referate/Fachschaftenreferat/Stellungnahme_der_Fachschaftenvertretendenkonferenz_-_Sexuelle_Belaestigung.pdf


[2] https://www.beschaeftigte.uni-stuttgart.de/document/dokument_arbeitsplatz/Richtlinie-Belaestigung-2018-02.pdf



English Version

Why is this relevant for student groups?


In various student groups in Germany, cases of sexual assault have already become public[1]. Even though no case has yet been reported in the press at the University of Stuttgart, there are also people affected here and it is therefore an issue that we must also deal with. It is of the highest priority to prevent assaults and to help those affected.


The student council of the University of Stuttgart is represented by the stuvus, especially the executive board and the student groups. The student groups are responsible for supporting the students, especially at the beginning, and for facilitating their entry into everyday life at the university through freshers' events.


Organisers of freshers' events have a special responsibility, as they create the freshers' first impression of everyday life at the university. In the case of inappropriate behaviour, this leads to a strong negative influence on the course of studies and also to students dropping out, and thus to the exact opposite of the goal of freshers' events. New students often orientate themselves on the role models and their respective behaviour, which they see at the freshers' events of the representatives, so that they imitate and replicate this. The representatives, especially those with elective office, are required to observe this in their behaviour and not to violate the tasks of the student representation with this behaviour. They are in a special role, as students turn to them in trust for professional, social, cultural, economic or political advice. Sexual harassment or even assault must not happen in this context. They not only violate the reputation of the student council, but first and foremost the dignity of the person being harassed.


What is sexual harassment?


Sexual harassment is always one-sided behaviour that is fundamentally different from flirting or compliments. The decisive factor is that the actions are unwanted, as well as violate the dignity of the person concerned and are perceived by him or her as unpleasant and or disrespectful. Out of insecurity and fear of being considered a prude, sensitive or humourless, many victims deny or gloss over sexual harassment. It can be verbal, non-verbal or physical sexualised acts - from verbal innuendos in everyday communication to criminal offences! Although all persons can be affected equally, those affected are predominantly women. Forms of sexual harassment can be, for example:

Insinuating or ambiguous remarks about appearance and clothing,
remarks and jokes of a sexual nature,
Dissemination or display of pornographic images or texts, provided these do not serve scientific purposes,
Unwanted gifts, persistent unwanted contact, solicitation and/or unwanted invitations with clear intent,
Proposals with the promise of advantage or the threat of disadvantage,
Unwanted physical contact or solicitation,
Sexually motivated stalking,
Sexual assault, coercion or rape.


Criminal offences in Germany are stalking, sexual assault and rape.[2]

Inappropriate remarks and jokes are also serious violations of the dignity of others. In student groups there should be a climate in which everyone is treated with respect.

Sayings such as: "She's only there for decoration", " go to the kitchen, where you belong to", "can you bend over like that again?" are shameful and hurtful and therefore completely inappropriate.


What can student groups do to prevent this?


In general, before you say something, think about whether the comment is appropriate, because sexist remarks simply don't have to be.

Also, as a bystander, you should intervene if you see someone being harassed or discriminated against.

Make sexual harassment an issue and stand up against it!

→ For example, you can name a responsible person in your student group who is open to those affected (perhaps the awareness guide can help here).

→ display information material, such as this guide, in your student group.


At freshers' events (especially the Freshers' Weekend)

→ When advertising your freshers' events, point out that you do not tolerate sexual harassment and name the contact persons (of the university and your student group or stuvus central).

→ Designate contact persons who will be present at the events and whom those affected can turn to.

→ Alcohol disinhibits and is no excuse for sexual harassment! Even under the influence of alcohol, everyone is responsible for their own actions.

→ Ensure that all games/events can also be attended with a non-alcoholic drink and that this is accepted without questions and pressure.

→ Ensure that games in which the aim is to undress are not part of the programme. Even if no one is forced in the strict sense, peer pressure arises. Such disinhibiting and sexualising games encourage sexual assault.


What can you do when victims come to you?


If someone contacts you, it probably took a lot of courage to say something. As a contact person, you can help just by listening. The person concerned alone decides where his or her boundaries are, where he or she feels comfortable. Therefore, it is very important that you take the incidents seriously and encourage the person.

In the case of minor incidents, you can ask the person whether what happened should remain between you or whether it should be addressed in the student group or together with the harasser. As a mediator, you can help to ensure that the person's boundaries are not crossed in the future. Also refer the person to the relevant university authorities.

In the case of criminal incidents, you should encourage the person to contact the university authorities, to avoid the dangerous situation and/or to call the police.

Be aware that you are not experts in the field. Ignorance and being overwhelmed are normal. You can always seek help. So take care of yourself as well.
The person concerned and trusted persons who were present in the situation should document their observations of the situation.
Stay in contact with the person concerned and enquire about their well-being.
Check whether there is an acute danger and support the person to escape the dangerous situation.
If possible, explore whether the person has a supportive environment that can be involved.
Be careful that the information about the suspicion does not get to the person who is potentially violent.


Thank you all for your commitment to fair and friendly treatment of freshers and each other. Together we can take another step towards a discrimination-free university climate.



Contact persons

University:

Christine dos Santos Costa

Contact person for sexual harassment

+49 711 685-66468

costa@gkm.uni-stuttgart.de


Klaus Dirnberger

Contact person in case of sexual harassment

+49 711 685-64437

klaus.dirnberger@ipoc.uni-stuttgart.de


stuvus:

Contact person in cases of sexual harassment: awareness@stuvus.uni-stuttgart.de

Department for Gender Equality, Diversity and Social Affairs: referentin-gleichstellung@stuvus.uni-stuttgart.de


Further information:

https://www.stuvus.de/sdg

https://www.student.uni-stuttgart.de/uni-a-bis-z/Sexuelle-Belaestigung/

https://www.leuphana.de/services/gleichstellung/portal-sdg.html



[1] https://fsmath.uni-bonn.de/protokollarchiv.html?file=files/mate/documents/FSR-Protokolle/Archiv/19-10-30_Protokoll-FSR-Sitzung-Anhang-Mitteilung_Medizin.pdf

https://ga.de/bonn/stadt-bonn/uni-bonn-sexuelle-belaestigung-bei-ersti-fahrt-bleibt-unbewiesen-verfahren-eingestellt_aid-46427123

https://asta.hhu.de/fileadmin/AStA_HHU/Unterseiten/Referate/Fachschaftenreferat/Stellungnahme_der_Fachschaftenvertretendenkonferenz_-_Sexuelle_Belaestigung.pdf


[2] https://www.beschaeftigte.uni-stuttgart.de/document/dokument_arbeitsplatz/Richtlinie-Belaestigung-2018-02.pdf


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